Als 1933 Adolf Hitler die Macht im Deutschen Reich übernahm, mußte man damit rechnen, daß es auch bald zu einer äußeren und inneren Umgestaltung im bisherigen Schulwesen kommen werde. Seine Vorstellungen von der Schaffung eines Großdeutschen Reiches und dessen Vormachtstellung in Europa waren nur durchzusetzen, wenn die Mehrheit des Volkes für die Ziele der Nationalsozialisten gewonnen werden konnte. Der Führerstaat, in dem die drei Staatsgewalten in der Person des Führers verkörpert wurden, erforderte eine blindvertrauende Gefolgschaft. Die Schule sollte nun auch zur Erziehungsstätte für den neuen Staat werden. An die christlichen Bekenntnisse gebundene Schulen standen einer einheitlichen Ausrichtung der Jugend nur im Wege.
1937 Aufhebung der Privatschule. Die seit 1820 in Berge bestehende Privatschule sollte nach dem Willen der sie tragenden Gesellschafter den Absolventen eine höhere Bildung vermitteln als sie die Volksschule geben konnte. Mit dem Erreichen des 14. bzw. 15. Lebensjahres ging man zum Realgymnasium über oder trat in das Berufsleben ein. Die Schülerzahlen schwankten in den 117 Jahren des Bestehens dieser Schule zwischen 7
und 28. Die Schulplaner der damaligen Zeit hatten für begabte Kinder aus allen Bevölkerungsschichten eine Schulform vorgesehen, die zwischen der Volksschule und der höheren Schule mit einem mittleren Bildungsabschluß liegen sollte.
In Berge wurde deshalb Ostern 1937 der Katholischen Volksschule zunächst eine sogenannte „gehobene Klasse” angegliedert, in die die Privatschüler, die nicht zur höheren Schule übergingen, und befähigte Volksschüler aus Berge und Umgebung nach dem 4. Schuljahr aufgenommen wurden. Der Unterricht wurde nach dem „Mittelschulplan” gestaltet. Grundsteinlegung für den Bau einer Gemeinschaftsschule. Der Neubau wurde an der Antener Straße auf Betreiben des Gesamtschulzweckverbandes Berge (Vorsteher Ludwig Maus) errichtet. Heute sind in diesem Gebäude die Evangelische und Katholische Grundschule untergebracht, (siehe Zeitungsbericht: Schuleinweihung in Berge)
1938 Aufhebung der Konfessionsschulen durch Verfügung der Regierung (mit Beginn des Schuljahres 1938/39). Die Schüler der beiden bekenntnisgebundenen Volksschulen (Ev. Volksschule, zuletzt zweiklassig, Kath. Volksschule, zuletzt dreiklassig) besuchten jetzt eine gemeinsame Schule, die Gemeinschaftsschule, die modern ausgestattet und in fünf Klassen gegliedert war. Dieser Schule gehörte „als sechste Klasse” die erste gehobene Abteilung an. Schulleiter: Hauptlehrer F. Diersmann (bis 1939), Hauptlehrer Schmidt (1939-1944), Lehrer Haarmeyer (ab 1944).

Artikel Mai 1938,
Neue Volksblätter

1940 (1. Oktober) Mittelschule im Aufbau (durch Trennung der gehobenen Klassen von der Volksschule). Leitung: Mittelschullehrer H. Habkemeyer.
1942 Aufbau der Mittelschule (sechsstufig, d.h. 5.-10. Schuljahr) abgeschlossen). Im gleichen Jahr wurde der von der NS-Regierung geplante Aufbau der Hauptschule in Berge begonnen. Während der Besuch der Mittelschule freiwillig war, sollte nach vierjähriger Grundschulzeit (Volksschulzeit) der Besuch der Hauptschule für begabte Schüler zur Pflicht gemacht werden, falls sie nicht zur höheren Schule übergingen. (Schulzeit: vier Jahre: Schulgeld entfiel).
Die Leitung dieser Schule war der Lehrerin Rohlauf übertragen worden (1942-1945).
Eine untere Mittelschulklasse wurde nicht mehr eingerichtet. Die begabten Schüler eines festgelegten Bezirks mußten in die Hauptschulklassen eintreten. Zum Berger Bezirk gehörten noch folgende Volksschulen als Zubringer: Bippen, Hartlage, Ohrtermersch, Grafeld, Hahnenmoor, Hahlen, Menslage, Klein Mimmelage, Renslage und Hekese. Die ersten Hauptschulabschlüsse sollten 1947 erteilt werden.
1943 Erste Abschlußprüfung der obersten Mittelschulklasse, 17 Prüflinge nahmen daran teil und erhielten die sogenannte „Mittlere Reife” zugesprochen.
Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Mai 1945 – Berge war am 8. April von den Engländern eingenommen worden – und die Besatzungszeit brachten zunächst große Erschwernisse für den Schulbetrieb (ansteigende Schülerzahlen durch Flüchtlingsfamilien, Schulraumnot, Lehrer- und Büchermangel) und Unsicherheiten in der Schulorganisation mit sich*.
Mit dem schrittweisen Aufbau eines demokratischen Staatswesens im Westen Deutschlands und der Ausbildung der Kulturhoheit der Länder kam es auch in Niedersachsen zunächst zu Veränderungen, die sich anfangs mehr am Schulaufbau aus der Zeit vor 1933 orientierten. Die in den 60er und 70er Jahren vom Kultusministerium in Hannover ausgehenden Reformen im niedersächsischen Schulwesen blieben dann auch nicht ohne Auswirkungen für die Schulen in Berge.
* Eindrucksvoll geschildert in den Beiträgen von H. Habkemeyer und B. Frericks
1945 Der Schulbetrieb ruhte nach der Besetzung Berges durch britische Truppen (8. April) für mehrere Monate. (Infolge der Kampfhandlungen war das neue Schulgebäude empfindlich beschädigt worden; Lehrmittel, Bücher, fast alle Schulakten und ein großer Teil der Schuleinrichtung waren verlorengegangen. Das frühere Gebäude der katholischen Volksschule wurde von zwei Familien, deren Häuser abgebrannt waren, bewohnt). 19. Juli: Beginn des Unterrichts für die Grundschuljahrgänge 1-4; 2. November: Beginn des Unterrichts für die Jahrgänge 5-8 der Volksschule;
Beginn des Unterrichts der Mittelschule, nachdem durch Verfügung des Oberpräsidenten von Hannover (im September) die Hauptschule aufgelöst und die Entscheidung für die Wiedereinführung der Mittelschule getroffen worden war.
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